Sightseeing Teil 2

Kleine Straße in der französischen Konzession French Concession

Die Spuren der Kolonialmächte sind vor allem in der französischen Konzession zwischen Shaanxi Road und Huangpi Road spürbar. Mein Ausflug beginnt am Okura Garden Hotel: Nachdem Mao Zedong den einstigen französischen Sportclub als private Residenz auserkoren hatte und aller Prunk der 1930er entfernt wurde, konnte der alte Flair Jahre später durch eine Sarnierung wieder hergestellt werden. Im Schatten der großen Platanen spaziere ich weiter entlang der Huaihai Lu tiefer in das Viertel hinein. Hinter den Läden zu beiden Seiten der Straße erstrecken sich friedliche sonnenbeschienene Gässchen, die von niedrigen Wohngebäuden gesäumt werden. Anwohner schlendern mit den Einkäufen des Vormittags durch die Straßen oder suchen Schutz vor der Hitze im Schatten. Die Atmosphäre ist gemütlich und ruhig, wie eine erholsame Oase inmitten der Großstadt. Kleine Modegeschäfte und Cafés reihen sich an Obstläden und Schusterwerkstätten. Nach einer Weile gelange ich in einen Teil des Viertels mit kleinen Villen, die von verwilderten Gärten umgeben sind. Früher wohnten hier berühmte Parteifunktionäre, und angeblich trafen sich in einem dieser Häuser die Gründungsmitglieder der KP.

Kleine Galerien im Künstlerviertel M50

Hinter den unscheinbaren Backsteinmauern der Moganshan Lu erstreckt sich das Künstlerviertel M50 wie eine kleine Stadt in der Stadt: Der Zusammenschluss aus alten Industriehallen und Fabrikgebäuden beherbergt eine Gemeinschaft von kreativen Gruppen und Malern, die hier in den verlassenen Überbleibseln der Manufakturen und Werkstätten ihre Galerien und Ateliers eröffnet haben. Vom Haupthof am Eingang führen zahlreiche Durchgänge und kleine Wege ab und verschwinden zwischen den Ecken und Mauern. Flure und verwinkelte Aufgänge münden in Verbindungsbrücken aus Stahl, die außerhalb an den Gebäuden zum nächsten Block führen. In den schattigen Höfen grünt und blüht es, die Bewohner des Art Districts haben entlang der Mauern Töpfe mit Palmen, Gemüse und Bananenstauden aufgestellt. In ein paar Ateliers wurden Cafés eröffnet, in anderen Hallen wird noch umgebaut und gewerkelt. Eine richtige Do-it-yourself-Atmosphäre im Industrial Style. Die Ruhe und die gelassene Stimmung sind eine erholsame Abwechslung zum nicht endenden Buzz Shanghais vor den Mauern. Das M50 ist wie eine grüne Gemeinschaft voller Charakter und Charme, offen und jung, aber nicht so hip, dass es unglaubhaft wirkt.

Expo GeländeChinese Pavillon auf dem Expo-Gelände

Von der Besucherplattform über der Metro Station China Art Museum ist der rote China Pavillon auf der anderen Seite der Kreuzung kaum zu übersehen. Ich folge dem Besucherstrom durch die Sicherheitschecks und stehe dann auf dem großen Vorplatz vor der überdimensionierten Pagode. Im Inneren hält das China Art Museum eine Ausstellung der Werke chinesischer Künstler der jüngeren Vergangenheit bereit. Auffallend viele Bilder zeigen Szenen auf dem Land, Reisfelder und Arbeiter mit Körben, spielende Kinder und muskulöse Bauern. Hier und da findet sich das Gesicht Maos in einer Gruppe von Landbewohnern. Leider sind alle Beschriftungen ausschließlich auf chinesisch, ein bisschen dürftig für das beeindruckenste Element der Expo2010. In Vorbereitung auf den Besucheranstrom und die internationale Presse wurden viele Teile der Stadt erneuert oder ausgebaut, und ein riesiges Areal aus alten Hallen und Müllhalden am südlichen Flussufer wurde verwandelt in eine moderne Ausstellungslandschaft. Die meisten Länderpavillons sind nach der Weltausstellung wieder abgebaut worden, aber u.a. der Chinese Pavillon und die Mercedes-Benz-Arena blieben Shanghai auf Dauer erhalten.