Sightseeing Teil 1

RouteIm Gegensatz zu Peking hat Shanghai an Kulturgütern und alten chinesischen Denkmälern wenig zu bieten. Es sind eher das pulsierende Leben dieser Großstadt und die vielen Eindrücke des Alltags, die Shanghai sehenswert machen. Trotzdem darf die Portion Touri-Programm natürlich nicht fehlen.


Shanghai Museum und People’s Square

Wo früher eine Pferderennbahn die englischen und amerikanischen Kolonialherren unterhielt, erstreckt sich heute der größte Platz Shanghais mit Wasserfontänen und Spazierwegen inmitten einer vom Verkehr umtosten Kreuzungslandschaft. People's SquareRings um den People’s Square haben sich Architekten verschiedenster Epochen und Stilrichtungen in spektakulären Bauwerken verwirklicht, nicht zuletzt im runden Bau des Shanghai Museum, vor dem sich täglich lange Besucherschlangen bilden. Früh da sein lohnt sich: Wer bei Öffnung um 9 Uhr eingelassen wird, kann den ersten Teil des Museumsrundgangs und die schier endlose Vielfalt an Töpferkunst, Jade, chinesischen Malereien und filigranem Porzellan in Ruhe genießen. Nach kurzer Zeit sind die Ausstellungsräume dann heillos überfüllt und die andächtige Museumsstille ist dahin.


The Bund und Pudong

Kolonialbauten im BundMein Kollege Xiaofeng ist gebürtiger Shanghaier. Damit hat er nicht nur Anspruch auf vergünstigten Wohnraum (für den durchschnittlichen Bürger bei bis zu 4000 RMB/m2 nahezu unerschwinglich), sondern kennt sich dazu auch bestens in seiner Stadt aus. So komme ich in den Genuss einer Privatführung zum Bund und durch Pudong. Vom International Cruise Terminal geht es am Huangpu Fluss entlang über die Waibaidu Brücke zum Heldendenkmal, das an alle Befreier der Stadt erinnert. Von der Besucherplattform aus eröffnet sich mir zum ersten Mal der Blick auf die vollständige Skyline von Pudong. Schließlich erreichen wir den Bund mit seinen eindrucksvollen Kolonialbauten aus Granit. Oriental Pearl TowerHier spürt man noch den vergangenen Glanz von ehemaligen Handelshäusern und Banken.

Nach rechts biegen wir ein in die East Nanjing Road. Diese Straße ist die Hauptschlagader des Shanghaier Kommerz und zu jeder Tages- und Nachtzeit von buntem Treiben erfüllt. Mit der Metro fahren wir unter dem Fluss hindurch nach Pudong. Im Finanzviertel Shanghais begegne ich der gesichtslosen Modernität der chinesischen Handelsmetropole. Nach dem Motto „Hoch, höher, Shanghai“ übertrumpft sich Tower um Tower an Größe, Eleganz und Sensation. Neben dem Fernsehturm mit den drei auffälligen Kugeln entlang des Rumpfs fällt vor allem der schlanke Shanghai Tower auf, der mit 632m und 127 Stockwerken das höchste Gebäude Chinas und das zweithöchste der Welt ist. Im Abendlicht glitzern und leuchten die gläsernen Riesen um die Wette.


Altstadtviertel und Yu Garden

AltstadtviertelSobald ich in die kleine Anren Lu einbiege, scheinen der Lärm und das Getümmel der Stadt auf einmal wie ausgesperrt. Um mich herum spielt sich ein Kontrastprogramm zum modernen Hochglanzviertel Pudong ab: Kleine Häuser reihen sich dicht an dicht entlang der schmalen Gassen. Lange, bevor die Abrissbagger kamen und die Bewohner in Trabantenstädte am Stadtrand umgesiedelt wurden, prägten solche traditionellen Viertel das Gesicht der Stadt. Jetzt ist dieses Überbleibsel der Shanghaier Vergangenheit vom Verfall bedroht. Das Leben spielt sich hier vor der Tür ab: Männer sitzen auf Hockern und Kisten beisammen und rauchen oder spielen Karten. Wäsche Yu Gardenbaumelt zum Trocknen in der Sonne. Improvisierte Garküchen und Straßenverkäufe bieten Berge von Reisnudeln und warme Gemüsepfannkuchen feil. In dunklen Hauseingängen sind kleine Schusterwerkstätten eingerichtet. Alles bewegt sich hier langsamer - unbeeindruckt vom 21. Jahrhundert, das in Form von Wolkenkratzern über den maroden Ziegeldächern in den Himmel ragt. Im Herzen der Old Town liegt hinter weißen Mauern der Garten Yuyuan, den sich einst ein hoher Beamter anlegen ließ. Über die berühmte Zickzackbrücke gelangt man zum Eingang, hinter dem sich ein Labyrinth aus saftigem Grün, überdachten Stegen und Tempeln erstreckt. Insider besuchen den Garten bei Regen, wenn die Tropfen auf den Blättern der Bananenstauden ein Klangkonzert der besonderen Art geben.