Die Ankunft

Flughafen PudongLaut, schwül und unheimlich viele Menschen. Das sind die ersten Eindrücke, die beim Verlassen des Flughafengebäudes auf mich einströmen. Welcome to Shanghai, dem boomenden und pulsierenden Wirtschaftsmotor Chinas am Delta des Yangtze. Auf einer Fläche von 6.000 km2 leben 24 Millionen Menschen - sechsmal so viele wie in Berlin. Shanghai, was übersetzt „hinauf zum Meer” (上海) bedeutet, ist die Finanz- und Handelsmetropole und spätestens seit der Expo2010 auch das moderne Kulturzentrum Chinas. Ganz schön einschüchternd, diese Stadt der Superlative. Hier werde ich als Praktikantin im Produktmanagement der DEHN Surge Protection (Shanghai) Co., Ltd. die nächsten drei Monate verbringen.

Mein Betreuer Michael Wu und seine Frau holen mich am Flughafen ab. Beide haben einige Jahre in Deutschland studiert und gearbeitet, sprechen also nahezu perfekt deutsch. Während der Fahrt über die Stadtautobahnen durch die Außenbezirke sehe ich zum ersten Mal die Türme der Trabantenstädte, die im feuchtwarmen Dunst in den Himmel ragen. Dazwischen erstaunlich viel Grün, hier und da durchzogen von breiten Wassergräben und Kanälen.

Mein Apartment befindet sich süd-westlich des Stadtzentrums in der Nähe des Xinzhuang Industrial Park. Ein kleines Bad, eine Kochzeile, Kühlschrank, ein Tisch mit Stühlen, ein Bett - und sogar eine Waschmaschine darf ich für die nächsten Monate mein Eigen nennen. Es ist hell und gemütlich, das Eingewöhnen sollte mir hier also nicht schwer fallen.

Der nächste Morgen beginnt mit der ersten Fahrt zur Firma. Michael holt mich um halb acht ab und gemeinsam machen wir uns auf zum Treffpunkt, wo ich von nun an jeden Morgen vom Firmenbus abgeholt werde. Ungefähr eineinhalb Stunden lang kurvt der Bus durch die Straßen, weicht wahnwitzigen Mopedfahrern aus und vollführt halsbrecherische Manöver. Die Fahrt endet schließlich vor dem Firmengebäude im Xinzhuang Industrial Park. Meine neuen Kollegen Lina und Xiaofeng (gesprochen Schaufung) nehmen mich herzlich in Empfang und der erste Arbeitstag vergeht wie im Flug. Am Ende bin ich ausgestattet mit einer chinesischen SIM-Karte, einem Bankkonto und einer Metrokarte. Um halb sechs mache ich mich mit den Kollegen auf den Heimweg durch die Rush Hour Shanghais.

Von diesem Rhythmus werden meine Wochentage in der Megacity von nun an bestimmt. Anfangs gewöhne ich mich nur langsam an diese fremde Heimat auf Zeit. Bei den ersten Einkäufen im Supermarkt oder Erkundungstouren in der Umgebung meines Apartments erschlagen mich die vielen neuen Eindrücke. Gerüche, Farben, Menschen, Sprache - alles ist anders. Als Weiße bin ich ein Fremdkörper im Alltagsgetümmel Shanghais, überall starren mich die Menschen an. Die Verständigung auf Englisch klappt nur mäßig gut, aber wofür gibt es Gestik und Mimik? Nach einer Woche stellt sich schließlich eine Form von Routine ein, und es fällt mir leichter, mich zurecht zu finden. Ich erkenne Straßen und Kreuzungen wieder, der wöchentliche Einkauf ist nicht länger ein Abenteuer und die täglichen Fahrten mit Bus und U-Bahn werden selbstverständlich. Hin und wieder packt mich die Sehnsucht nach der Heimat - oder einem Stück Vollkornbrot mit Käse - aber ich bin gespannt auf die kommenden Monate und die Erfahrungen, die China für mich bereit hält.

Fortsetzung folgt....